Stören-Blockieren-Verhindern
Zum geplanten Nazi - Aufmarsch am 1. Dezember in Berlin und einem dezentralen Konzept gegen Naziaufmärsche.
Aufmarsch am 1. Dezember in Berlin
Die Ausstellung
"Vernichtungskrieg. Die Verbrechen der Wehrmacht von 1941 - 1945" des
Hamburger Institutes für Sozialforschung war in den letzten 10 Jahren in
Deutschland und Österreich unterwegs.
Diese Ausstellung stellt klar, dass die deutsche Wehrmacht
mitverantwortlich für die Nazigräuel ist.
An sich nichts
neues.
Spätestens ab den 60er Jahren haben HistorikerInnen den Russlandfeldzug
als den "ungeheuerlichsten Eroberungs-, Versklavungs- und
Vernichtungskrieg, den die moderne Geschichte kennt" beschrieben. In
diesem Krieg wurde von Deutschland eine neue Dimension der Kriegsführung
etabliert. Das Kriegsziel, die Eroberung von "Lebensraum für die arische
Rasse", schloss von vorneherein den Massenmord an Millionen sogenannter
"fremdvölkischer" Menschen ein. Mit dem Beginn des Russlandfeldzuges
wurde die NS-Politik der Endlösung, der industriellen Vernichtung der
europäischen Juden, Roma und Sinti eingeleitet und die Versklavung der
"slawischen" Menschen begonnen.
Im März 1997
gelang es den Nazis in München ein breites Bündnis von CSU,
Konservativen, Alt-Nazis bis hin zu den militanten Kameradschaften zu
etablieren und mit ca. 5000 TeilnehmerInnen eine der größten
Nazikundgebungen in München seit dem Ende des 2. Weltkrieges zu
veranstalten.
Dieser von den Nazis als "Triumph des Willens" gefeierte Erfolg war nur
möglich mit einer CSU, die sich immer dann hervor tut, wenn es um das
Abfischen von rechtsextremen Wählerstimmen geht.
Für die CSU-Zeitung Münchner Merkur stellt diese Wanderausstellung einen
"moralischen Vernichtungsfeldzug gegen das deutsche Volk" dar. Die Nazis
marschierten mit Parolen wie "Mein Großvater war kein Verbrecher" und
"Deutsche Soldaten sind die tapfersten und die fairsten der Welt". Mit
diesen Parolen versuchen sie, das angeschlagene Selbstbewusstsein der
Deutschen und die "Ehre" der Wehrmacht wiederherzustellen. Dass sie
damit in Deutschland großen Erfolg haben würden, war nach der
Kontroverse um Goldhagens Buch "Hitlers willige Vollstrecker" absehbar.
Diese Geschichtsleugnung hat nur einen Sinn: Die Verbrechen des "dritten Reiches" sollen so weit wie möglich geleugnet oder relativiert werden, damit "wir" (Deutschland) endlich aus dem Schatten der Vergangenheit heraustreten und zur selbstbewussten Nation werden können, ohne ständig von der Auschwitz - Keule bedroht zu sein, wenn deutsche Soldaten auf dem Balkan oder demnächst in Afghanistan ihrem Beruf nachgehen.
Am 1. Dezember versuchen die militanten "freien Kameradschaften" und die NPD, an diesen Erfolg anzuknüpfen. Für sie sind die Deutschen Opfer eines "imperialistischen Krieges", der von den USA und insbesondere von den Juden ausgeht. Sie wagen es, Täter und Opfer zu vertauschen und möchten daraus einen neuen Nationalismus entwickeln. Das Aussprechen der historischen Wahrheit - der Verbrechen der Deutschen und des Holocausts - ist für sie Nestbeschmutzung. Oder wie Mechtersheimer es formuliert: "Man nimmt einem Volk die Friedensfähigkeit, wenn man es seiner Würde beraubt." Das ist eine offene Drohung.
Angesichts der Kriegsgelüste der Bundesregierung, die den Kosovoeinsatz mit Auschwitz begründete, wird deutlich, wie weit diese Drohung reicht. Es geht nicht nur darum, das Bild des Wehrmachtssoldaten reinzuwaschen, sondern darüber hinaus Deutschland wieder kriegsfähig zu sprechen. Anders als die Nazis möchte sich die Regierung in das NATO-Bündnis führend einreihen - aber das ist auch der einzige Unterschied zwischen den Kriegsgelüsten der beiden Seiten.
Die Nazis werden wieder versuchen, Kontakte ins bürgerliche Spektrum zu knüpfen. Mit der Verharmlosung der Verbrechen haben sie Anknüpfungspunkte zu NationalistInnen in allen Parteien. Für uns geht es mit den Protest gegen diesen Aufmarsch vor allem auch darum, klar zu stellen, dass es keinen Frieden mit Deutschland geben kann, solange das braune Gesocks immer noch Einfluss nehmen kann.
Stören - Blockieren - Verhindern!
Dezentrales Konzept gegen Naziaufmärsche
Die Naziaufmärsche der letzten Jahre lassen folgende Folgerungen zu:
1. Die
Mobilisierbarkeit einer "liberalen" Öffentlichkeit scheint immer
geringer zu werden.
2. Aus diesem Grund gelingt es immer weniger, dem Anspruch "den Nazis
die Straße nicht zu lassen" im Rahmen dieser Mobilisierung gerecht zu
werden, da nicht nur die antifaschistischen Massen auf der Straße
fehlen, sondern auch die Bullen es immer besser draufhaben, die Nazis zu
schützen.
3. Die Mobilisierung und Vorbereitung von Gegenaktionen wird zusätzlich
erschwert durch Fragestellungen wie "Laufen die Nazis tatsächlich? Wo
findet die Auftaktkundgebung tatsächlich statt? Wie wird die Demoroute
sein?"
Diese Situation hat dazu geführt, dass es in Berlin seit längerem keine
"erfolgreiche" Mobilisierung gegen Naziaufmärsche gegeben hat. Der Frust
darüber führt zu einer immer geringeren Anzahl von AktivistInnen ....
und dann beißt sich die Katze in den Schwanz.
Diese Zustände
sind häufiger angeprangert worden und müssen an dieser Stelle sicherlich
nicht weiter ausgeführt werden.
Aus diesem Grund greifen wir nun das "dezentrale Konzept" auf, wie es
bereits in den letzten Jahren einige Male propagiert wurde.
Was soll das
bedeuten?
Wir werden in Zukunft immer direkt zu den Nazis mobilisieren, d.h. an
die Schleusungspunkte, zum Auftakt, an die Demoroute, zur
Abschlusskundgebung und zu guter Letzt wieder an die Punkte, an denen
die Nazis wieder in die Busse steigen werden.
Wir wollen, dass die Naziaufmärsche über den gesamten Zeitraum von
protestierenden AntifaschistInnen begleitet werden. Wir denken, dass
sich in diesem Rahmen häufiger die Möglichkeit ergeben wird, eine Lücke
im Bullenkonzept zu finden und zu nutzen.
Um diese Möglichkeiten zu nutzen und um auch die notwendigen Lücken zu
schaffen, sollten sich die Gruppen "was vornehmen", was sie auch
tatsächlich durchziehen können und was der Situation angemessen ist.
"Stören - blockieren - verhindern" erscheint uns die geeignete Parole zu
sein, um die Vielfältigkeit des phantasievollen Widerstands zu
beschreiben, den wir uns erhoffen.
Um die
Kommunikation und den Informationsfluss sicherzustellen, werden wir ein
öffentliches Infotelefon bereitstellen.
Dieses Konzept könnte in Innenstadt - Bezirken erfolgreich sein, wo es
für die Bullen schwierig wird, die Strassen komplett menschenfrei zu
halten. Es könnte erfolgreich sein, wenn die AktivistInnen sich nur ein
bisschen mehr einfallen lassen und vorbereiten wie "Nazis Raus" zu
skandieren.
Also: Besorgt euch ein Handy - Denkt euch was aus - Nutzt das
Infotelefon
Antifa-Info-Telefon-Berlin (unabhängige Gruppen) 0177/ 477 03 86
e-mail: A-I-T-B@gmx.de