Die Gefängnistore von Marassi haben sich endlich
von der richtigen Seite hinter mir geschlossen.
Ich danke allen solidarischen Menschen für den
menschlichen und politischen Beistand in der
Haftzeit.
Wie Ihr wißt haben die G8-Demonstranten noch
verschiedene politisch-juristische Rechnungen in
Genua offen. Unsere eigenen Ermittlungsverfahren
sind noch nicht eingestellt. Viele Verletzte und
Mißhandelte haben Strafanzeigen gestellt. Unser
Widerstand gegen Brutalität und
Menschenrechtsverletzungen geht weiter. Der
Kampf um die Wahrheit von Genua geht weiter. Die
Behauptungen, die den Sturm auf die Diaz-Schule,
den Polizeieinsatz gegen die Demonstranten und
die Verhaftungen noch nach Tagen rechtfertigen
sollen, müssen entlarvt werden, denn die Gewalt
ging von den Polizei-Formationen aus.
Aus diesem Grunde bitten meine Freunde und ich
Euch um Unterstützung und suchen Zeugen für
meine Verhaftung und damit zusammenhängende
Straftaten.
Ich wurde am Montag, dem 23. Juli, zwei Tage
nach der Demonstration, ohne erkennbaren Grund
in Genua um 10 Uhr in einer Telefonzelle vor der
Via Emilia 10a in unmittelbarer Nähe des
Stadions Sciorba verhaftet. Das Stadion Sciorba
war ein offizieller Treff- und Übernachtungsort
der G8-Demonstranten. 8 Stunden nach der
Festnahme wurde mir von DIGOS-Beamten ein
Stempel der Banca Carige als "Indiz"
untergeschoben. Inzwischen wurde dieser Indizien-
Vorwurf hinfällig.
Etwa 2-3 Stunden nach meiner Festnahme wurde ich
zu dem Pkw meiner Freunde verhört. Dieser Pkw
befand sich ebenfalls beim Stadion Sciorba auf
der Brücke Ponte Ugo Gallo. Kurze Zeit danach,
am Montag, dem 23. Juli 2001, gegen 13 Uhr wurde
der Pkw vermutlich von DIGOS-Beamten mit
Plastiksprengstoff aufgesprengt. Es handelt sich
um einen dunkelblauen VW Passat Kombi mit
Berliner Kennzeichen. Meine Freunde waren
während der Autosprengung am Meer. Als sie
zurückkamen, erfuhren sie von Augenzeugen, was
inzwischen geschehen war.
Die linken Autotüren waren aufgesprengt, beide
Türen waren vollständig deformiert, eine
Glasscheibe in Stücke zerbrochen und der
Autoinnenraum durchwühlt. In diesem Moment kam
ein Streifenwagen der Polizei mit Blaulicht,
zwei weitere Streifenwagen folgten. Wenig später
kam ein weißer Fiat Punto mit drei zivil
gekleideten Beamten. Einer dieser Beamten konnte
Englisch sprechen und sagte, dass sie den Pkw
aufgesprengt hätten, da sie dort eine Bombe
vermuteten. Meine Freunde erbaten ein
Schriftstück über diesen Einsatz. Er weigerte
sich, ihnen dies zu geben und sagte, sie sollen
nach Deutschland fahren und der Versicherung
erzählen, dass der Schaden am Pkw während der
Demonstration entstanden sei.
Mein Freund hat bei der Staatsanwaltschaft Genua
Strafanzeige wegen Sachbeschädigung,
Unterlassung einer Amtshandlung sowie weiterer
Straftaten erstattet. Wer zu meiner Festnahme
und zu dieser Autosprengung Hinweise geben kann,
melde sich bitte bei: e-mail:
 johanneshelm@gmx.de [Berlin, 24.10.2001 Viktor
A.; von indymedia]

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