03.09.2002 10:40
Israel
Oberster Gerichtshof bestätigt Abschiebung
Zwei Palästinenser werden vom Westjordanland in den Gazastreifen zwangsübersiedelt, weil sie von den Selbstmordanschlägen ihres Bruders gewusst und sie gebilligt hätten.
Der Oberste Gerichtshof
in Israel hat die Abschiebung von zwei Angehörigen palästinensischer Attentäter
für rechtens erklärt.
Den Palästinensern wird vorgeworfen, von Terrorplanungen ihrer Angehörigen
gewusst zu haben. Bei den beiden Anschlägen in Tel Aviv und bei Immanuel waren
14 Israelis getötet und Dutzende verletzt worden.
In einem dritten Fall lehnten die Richter die geplante Abschiebung am Dienstag
dagegen aus Mangel an Beweisen ab, wie ein Justizsprecher mitteilte. Der
palästinensische Chefunterhändler Sajeb Erakat verurteilte die Entscheidung als
„Kollektivstrafe“ und sprach von einem „schwarzen Tag für die Menschenrechte“.
Ein israelisches Militärgericht hatte zuvor entschieden, die drei Angehörigen
eines Selbstmordattentäters vom Westjordanland in den Gazastreifen abzuschieben.
Zur Begründung hieß es, sie hätten von den Anschlagsplänen gewusst und diesen
zugestimmt.
Menschenrechtsorganisationen hatten gegen das Urteil protestiert und Berufung
vor dem Obersten Gerichtshof eingelegt. Die Ausweisungspolitik der israelischen
Armee ist völkerrechtlich umstritten.
Die Armee verspricht sich von den Ausweisungen und der Zerstörung der Häuser von
Angehörigen der Terroristen nach eigener Darstellung eine effektive Abschreckung
im Kampf gegen den Terrorismus.
Unterstützung bei Gewalttaten
Nach der Argumentation des Obersten Gerichts handelt es sich nicht um eine
Abschiebung, sondern um eine Zwangsumsiedlung in ein anderes palästinensisches
Autonomiegebiet.
Der Palästinenser Kifah Adschuri und seine Schwester Intissar werden nun vom
Westjordanland in den Gazastreifen überstellt. Ihr Bruder hatte nach
israelischer Überzeugung einen Selbstmordanschlag organisiert, bei dem in Tel
Aviv Mitte Juli fünf Israelis und die beiden Attentäter getötet wurden.
Intissar Adschuri habe ihren Bruder bei seinen Gewalttaten unterstützt und ihm
sogar einen Sprengstoffgürtel genäht, betonten die Richter. Kifah habe dem
Attentäter Unterschlupf gewährt und während eines Sprengstofftransports Wache
gestanden.
Führer des Islamischen Dschihad gefasst
Israelische Soldaten haben am späten Montagabend im südlichen Gazastreifen einen
Palästinenser erschossen. Nach Medienberichten hatte das Opfer an der
Kissufim-Kreuzung einen israelischen Panzer mit Granaten beworfen.
Unterdessen nahmen israelische Soldaten am Montag nach einem Bericht der
Spätausgabe der israelischen Tageszeitung „Haaretz“ Mahmed Ahmed Amin Dscherar
fest, einen ranghohen Aktivisten der militanten Organisation Islamischer
Dschihad.
Dscherar sei Chef des militärischen Flügels des islamischen Dschihad in Dschenin.
Nach ihm sei lange gefahndet worden, berichtete das Blatt. Israelische
Sicherheitskreise vermuten, dass er zahlreiche Laboratorien zur Herstellung von
Sprengstoff errichtet hat. Ferner soll Dscherar an der Ausbildung von
Dschihad-Kämpfern beteiligt gewesen sein.
(sueddeutsche.de/dpa/AFP)