Sonderprogramm der Entwicklungszusammenarbeit
Die Schweiz ist seit 1993 in der Aufbauhilfe für die Westbank und Gaza tätig. Das Programm der DEZA umfasst die schweizerische Entwicklungszusam- menarbeit und humanitäre Hilfe an die palästinensische Bevölkerung in den autonomen palästinensischen Gebieten sowie den besetzten Gebieten in der West Bank und Gaza und die schweizerische Unterstützung für die palästinensischen Flüchtlinge.
|
|
|
|
* Der
grösste Teil des „palästinensischen" Gebiets ist noch immer unter
israelischer militärischer Besatzung; israelische Siedlungen, deren
Zufahrtsstrassen und "Sicherheitszonen" sowie militärische Sperrgebiete
machen einen wesentlichen Teil der West Bank und des Gazastreifens aus. Quellen: Weltbank |
|
Zusammenarbeit in Zahlen: |
|
|
2001 (Mio. Fr.) |
2002,
geplant |
|
Projektbeiträge Entwicklungszusammenarbeit (bilateral, inkl. Programmbeiträge an schweizerische Hilfswerke) |
8,5 |
9,3 |
|
Humanitäre Hilfe und Katastrophenhilfe |
8,5* |
7,0 |
|
Politische Direktion des EDA „menschliche Dimension" |
0,5 |
0,5 |
|
Staatssekretariat für Wirtschaft (seco) |
0,1 |
0,1 |
|
Total der Zusammenarbeit |
17,6 |
16,9 |
|
Weitere
humanitäre Hilfe für palästinensische *Inklusive ein Zusatzbetrag von 4 Millionen Franken |
|
|
Situation und Hintergrund:
Seit Ausbruch der Al Aqsa-Intifada im September 2000 hat sich
die Situation in den palästinesischen Gebieten kontinuierlich verschlechtert.
Mehr als tausend Menschen wurden getötet, Zehntausende wurden verletzt. Die
grosse Mehrheit von ihnen sind Palästinenser, darunter sehr viele Jugendliche.
Für die palästinensische Bevölkerung hat die Situation vor allem einschneidende
wirtschaftliche Auswirkungen. Diese sind eine Folge der von Israel mit
Sicherheitserwägungen begründeten Abschnürungsmassnahmen, welche den Verkehr von
Personen und Gütern zwischen und innerhalb der palästinensischen Gebiete, aber
auch mit Israel und den Nachbarstaaten je nach Lage teilweise bis ganz
unterbinden. Mehr als die Hälfte der bisher von Palästinensern besetzten
Arbeitsplätze in Israel und in den israelischen Siedlungen gingen verloren.
Durch den Verlust an Kaufkraft kam es zu weiteren
Arbeitsplatzverlusten in der West Bank und in Gaza. Der
Rückgang des Pro-Kopf- Einkommens wird bis Ende 2001 auf rund ein Drittel
geschätzt. Der Prozentsatz der Armen ist sprunghaft angestiegen, insbesondere in
Gaza.
Vor diesem Hintergrund ist bei Israelis und Palästinensern eine zunehmende
Radikalisierung der Positionen festzustellen. Demokratisierungsbemühungen und
Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit treten in einer solchen Situation in der
palästinensischen Gesel-schaft in den Hintergrund, und die in den letzten Jahren
aufgebauten staatlichen Strukturen sind - und nicht nur durch die israelischen
Angriffe auf physische Infrastrukturen - stark in Mitleidenschaft gezogen
worden.
Schwerpunkte der Zusammenarbeit:
· Berufsbildung und Erziehung: Weiterführung der Unterstützung für die Umsetzung des Berufsbildungssystem mit dem Arbeits-, Erziehungs- und Wissenschaftsministerium. Unterstützung des statistischen Zentralbüros für die Statistiken über Arbeitskräfte. An der Universität Bir Zeit wird ein Programm für internationale Beziehungen gefördert.
· Soziale Entwicklung: Psychische, soziale und wirtschaftliche Wiedereingliederung ehemaliger politischer Gefangener; Unterstützung von Kindern und Jugendlichen marginalisierter Familien und Minder- heiten.
· Menschenrechte, Gute Regierungsführung, Demokratie: Beiträge zum Aufbau einer pluralistischen Gesellschaft, von Organisationen für Verteidigung und Verbreitung von Menschenrechten und Stärkung des Justizwesens.
· Umwelt: Unterstützung von Institutionen im Bereich Landnutzung, Gesundheit im städtischen Umfeld, Bekämpfung der Desertifikation und Umweltschutz.
· Humanitäre Hilfe: Beiträge an die UN-Hilfsorganisation für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA) und an verschiedene Nichtregierungsorganisationen.
Das Programm wird
laufend den sich verändernden Bedürfnissen nicht nur der Zielgruppen, sondern
auch der Partnerorganisationen angepasst. Zudem können in Notsituationen - wie
2000 und 2001 geschehen - zusätzliche Mittel der humanitären Hilfe eingesetzt
werden. Das Programm trägt somit die notwendige Flexibilität in sich, um auf die
sich verändernden politischen Rahmenbedingungen eingehen zu können.
Das Programm
wurde 1999 evaluiert; es wird nun den Empfehlungen entsprechend - und unter
Berücksichtigung der gegenwärtigen Situation - angepasst und mit dem
Zeithori-zont 2004 weitergeführt. Neben der DEZA unterstützen die zuständigen
politischen Ab-teilungen des EDA sowie das seco
Aktionen in den palästinensischen Gebieten.
Partner der DEZA-Programme und -Projekte sind:
· Verschiedene technische Ministerien der palästinensischen Autonomiebehörde
· Internationale Organisationen wie UNRWA (United Nations Relief and Works Agency for Palestine Refugees in the Near East) oder das UN-Entwicklungsprogramm UNDP (Wasser, Jugend, Umwelt), Weltbank (insbesondere in den Jahren 1994-1996)
· Palästinensische Nichtregierungsorganisationen in den Bereichen Menschenrechte, Umwelt und soziale Entwicklung