05.09.2002
Scharon lehnt EU-Friedensplan ab
Israels Premier Ariel Scharon hält den neuen Nahost-Friedensplan der Europäischen Union für „unrealistisch“. Die humanitäre Krise in den Autonomiegebieten droht derweilen zu eskalieren.
Palästinenserpräsident
Jassir Arafat hatte dagegen den EU-Fahrplan, der die Schaffung eines
Palästinenserstaates bis zum Jahr 2005 vorsieht, im Prinzip akzeptiert. Scharon
sagte dem dänischen Außenminister Per Stig Møller, zunächst müssten Fortschritte
im Verhältnis zwischen Palästinensern und Israelis erzielt werden. Dafür müssten
zunächst die Grundlagen geschaffen werden. Es mache dagegen keinen Sinn, einem
im Vorfeld beschlossenen Plan zu folgen, hieß es in dem Bericht des
Armeesenders.
Nach einem zweistündigen Treffen mit Møller in Ramallah sagte Arafat jedoch
einschränkend, man müsse die Vorstellungen noch gründlicher prüfen. Møller
betonte, er sei von Arafats „positiver Aufnahme dieser Ideen ermutigt“. Ziel sei
es, den Friedensprozess wieder in Gang zu bringen. „Wenn wir das schaffen, wird
es ihr Erfolg sein.“
Offenbar schwerer Anschlag verhindert
Die Außenminister der EU hatten am Wochenende bei ihrem Treffen in Helsingør
einen Plan zur Gründung eines palästinensischen Staates binnen drei Jahren
befürwortet. Der derzeitige EU-Ratspräsident, der dänische Außenminister Møller,
hat die Vorschläge bereits in Saudi-Arabien und Ägypten erläutert. Am 16.
September soll der Plan bei der nächsten Sitzung des „Nahost-Quartetts“, dem die
USA, Russland, die Vereinten Nationen und die EU angehören, vorgelegt werden.
Israelische Sicherheitskräfte haben am frühen Donnerstagmorgen offenbar einen
neuen schweren Anschlag verhindert. Nach Polizeiangaben fingen sie in der Nähe
von Hadera einen Wagen mit 600 Kilogramm Sprengstoff ab. Die Grenzpolizei hatte
das Auto in der Nähe zur Grenze zum Westjordanland entdeckt. Außerdem wurden
zwei mit Gas gefüllte Kanister und ein Mobiltelefon entdeckt. Die Polizei geht
davon aus, dass der Sprengstoff vor oder während des am Freitag beginnenden
zweitägigen jüdischen Neujahrfestes gezündet werden sollte.
UN warnen vor eskalierender Not in Autonomiegebieten
Die humanitäre Krise in den Autonomiegebieten droht nach UN-Angaben außer
Kontrolle zu geraten, wenn Israel die Blockaden nicht deutlich lockert. Jede
Lockerung trage sichtbar zur Besserung der wirtschaftlichen und humanitären Lage
bei, erklärte die UN-Sondergesandte für den Nahen Osten, Catherine Bert.
Mittlerweile leiden in den Autonomiegebieten fast ein Viertel aller Kinder unter
fünf Jahren an Mangelernährung. Die Zahl nehme stetig zu. Schätzungsweise 1,5
Millionen der 3,3 Millionen Palästinenser im Westjordanland und Gazastreifen
erhielten inzwischen Lebensmittelhilfe, weil sie alleine nicht mehr zurecht
kämen.
Die Wirtschaft sei nahezu zusammengebrochen, die Arbeitslosigkeit auf sehr hohem
Stand. Aus der wirtschaftlichen Krise sei längst eine humanitäre geworden, sagte
Bertini. Hinzu komme, dass die Arbeit der Hilfsorganisationen durch Vorschriften
und Blockaden zunehmend erschwert werde.
(sueddeutsche/AP/dpa)