Aktion Reißwolf

Bei fast allen Wirtschaftsskandalen der vergangenen Jahre spielten Wirtschaftsprüfer eine unselige Rolle. Im Fall Enron haben sie sogar wichtige Akten vernichtet.
 

Am 12. Oktober vergangenen Jahres erhielt Michael Odom, bei Arthur Andersen der verantwortliche Mann für das Büro der Wirtschaftsprüfer in Houston, eine dringende E-Mail aus der Rechtsabteilung: "Mike, es könnte sinnvoll sein, darüber nachzudenken, das Team an unsere Dokumentations- und Aufbewahrungsrichtlinien zu erinnern."

Für Odom und seine Kollegen, die gerade über den Zahlen des texanischen Energiekonzerns Enron für das dritte Quartal saßen, war damit der Notfall eingetreten. Was sich für Außenstehende wie eine Ermahnung liest, ihren Prüfauftrag besonders gewissenhaft zu erledigen, verstanden sie als Alarmruf. Das firmeninterne "policy statement", das der E-Mail per Link beilag, legt fest, welche Unterlagen die Wirtschaftsprüfer in einer Zentralakte abzulegen haben und welche Papiere zu beseitigen seien: "Alle Arbeitspapiere und vorläufigen Versionen werden umgehend zerstört."
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