VEBA witterte schon 1999 die Bilanztricks

Vor drei Jahren soll der deutsche Versorger VEBA eine geplante Fusion mit dem US-Energiekonzern Enron abgebrochen haben. Schon damals soll die desolate Geschäftslage von Enron offen erkennbar gewesen sein.

New York/Washington - Wie die "New York Times" berichtet, war ein so genannter Merger of Equals geplant. Doch als die VEBA-Verantwortlichen die Zahlen des Energie-Konglomerats zusammengepuzzelt hatten, zogen sie schnell die Notbremse und sagten die gesamte Transaktion ab.

Berater von PriceWaterhouseCoopers hätten VEBA mitgeteilt, dass Enron durch komplexe Buchführung und Transaktionen Schulden in Millionenhöhe aus den Büchern entfernt hatte, schreibt die US-Zeitung. Dadurch habe die Enron-Bilanz stärker ausgesehen, als sie in Wirklichkeit war.

Dabei entdeckten die Prüfer des zuständigen Wirtschaftsprüfungsunternehmens PriceWaterhouseCoopers ohnehin nur die Spitze des Eisbergs, denn vertrauliche Zahlen hielt Enron angesichts des frühen Verhandlungsstadiums verschlossen. Zwei Wochen allein benötigte das Team, um die nötigen Informationen über Enron-Transaktionen aus Handelspublikationen und Berichten der US-Wertpapier- und Börsenkommission SEC zu ziehen.

Neben PriceWaterhouse Cooper (PwC) hatten nach Angaben der Zeitung auch andere Berater und Banken wie Goldman Sachs, Credit Suisse First Boston und McKinsey & Company an der Transaktion gearbeitet.

Das Bild, das sich ihnen allein aus diesen frei zugänglichen Quellen erschloss, war desillusionierend. Enron, so die Hochrechnung der Experten, hatte mit einem Schuldenberg zu kämpfen, der insgesamt rund 70 bis 75 Prozent des Gesamtwertes der Firma ausmachte. Damit aber war allein schon auf Grund der unterschiedlichen Vermögenslage der beiden Fusionskandidaten ein Merger of Equals ausgeschlossen.

Was die Beteiligten in der Rückschau am meisten wundert, ist die Tatsache, dass auch andere Fachleute diese Information hätten nutzen können. Trotzdem will niemand etwas von der Schieflage Enrons bemerkt haben. PwC jedenfalls hinterfragte genau jene Maßnahmen zur Verlagerung von Schulden aus den Büchern, die im vergangenen Herbst zu Enrons finanziellem Kollaps geführt hatten.

"Wir haben uns gewundert, dass die haarsträubende Verschachtelung des Enron-Konzerns nicht bekannt war, oder wenn sie bekannt war, warum niemand sie veröffentlicht hat", sagt ein Mitarbeiter einer an der Analyse beteiligten Firma, die ungenannt bleiben will, gegenüber der "New York Times".

Die desolate finanzielle Situation von Enron war aber angeblich nicht der einzige Grund für den Abbruch der Fusionsbemühungen. Im Laufe der Verhandlungen habe sich der Verdacht der VEBA-Manager verstärkt, dass Enron in Wirklichkeit die Übernahme ihres Konzerns plante - vielleicht sogar, um mit dem VEBA-Vermögen die eigenen Finanzen zu sanieren. Die Firmen lehnten nach Darstellung der Zeitung Stellungnahmen über die Details der Gespräche ab.