RAWA gegen Nordallianz in Afghanistan
Übersetzung der
Erklärung der Revolutionären Vereinigung der Frauen Afghanistans (RAWA) vom
13.11.01 (leicht gekürzt)
Die Bevölkerung Afghanistans akzeptiert die Dominanz der Nordallianz nicht!
Es ist nun bestätigt daß die Taliban Kabul verlassen haben und die
Nordallianz in die Stadt gekommen ist.
Die Welt muß verstehen daß die Nordallianz aus einigen Banden
zusammengesetzt ist die bereits ihre wirkliche kriminelle und unmenschliche
Haltung gezeigt haben als sie Afghanistan von 1992 bis 1996 regiert haben.
Der Rückzug der terroristischen Taliban aus
Kabul ist eine positive Entwicklung, aber der Eintritt der vergewaltigenden
und plündernden Nordallianz in die Stadt ist nichts anderes als eine
fürchterliche und schockierende Nachricht für die etwa 2 Millionen
BewohnerInnen von Kabul deren Wunden aus den Jahren 1992-96 noch nicht
geheilt sind.
Tausende Menschen die in den letzten zwei Monaten aus Kabul geflohen sind
sagten sie fürchteten die Machteroberung durch die Nordallianz in Kabul viel
mehr als durch die US-Bomben in Angst versetzt zu werden.
Die Taliban und die Al-Qaeda werden zerschlagen werden, aber die Existenz
der Nordallianz als eine militärische Kraft wird den freudigen Traum der
Mehrheit zerstören von einem Afghanistan das frei ist von den verhassten
Ketten des barbarischen Taliban. Die Nordallianz wird in schrecklicher Weise
die ethnischen und religiösen Konflikte verstärken und wird nie sich davon
abhalten lassen das Feuer eines weiteren brutalen und endlosen Krieges
anzufächern um an der Macht zu bleiben.
Die schreckliche Nachricht des Plünderns und des unmenschlichen Massakers
der gefangengenommenen Taliban oder ihrer ausländischen Komplizen in
Mazar-e-Sharif in den letzten Tagen sprechen für sich.
Auch wenn die Nordallianz es gelernt hat vor dem Westen manchmal als
"demokratisch" und sogar als Unterstützende von Frauenrechten zu posieren,
haben sie sich in Wirklichkeit jedoch überhaupt nicht verändert,
genausowenig wie ein Leopard seine Flecken ändern kann.
RAWA hat bereits die schändlichen Verbrechen der Nordallianz dokumentiert.
Die Zeit läuft aus. RAWA appelliert an die UNO und die Welt insgesamt ihre
dringliche und beachtliche Aufmerksamkeit auf die jüngsten Entwicklungen im
geschundenen Afghanistan zu richten bevor es zu spät ist.
(...)
Der Aufruf von RAWA ist den Hoffnungen der breiten Mehrheit der Bevölkerung
von Afghanistan entwachsen.
Revolutionäre Vereinigung der Frauen Afghanistans (RAWA), 13.11.01
Homepage: http://www.rawa.org
über die RAWA - revolutionary association of women of afghanistan - selbstdarstellung und redebeitrag über afghanistan
redebeitrag zur RAWA + selbstdarstellung :
seit
mehreren jahren ist die arbeit der RAWA- frauen thema bei der demo zum
internationalen tag gegen gewalt gegen frauen/lesben/mädchen (25.11.). hier
ist erst unser redebeitrag ( obwohl der schon etwas alt ist,ist er leider
nachwievor aktuell) , dann eine übersetzung der selbstdarstellung der RAWA.
uns ärgert schon sehr lange, mit welcher selbstverständlichkeit es
hingenommen wird,wie die situation der frauen in den islamischen ländern
ist. besonders die situation der frauen in afghanistan scheint keine/n zu
interessieren. in den medien ist afghanistan zwar thema, aber nur dann, wenn
es um buddha-statuen, europäisch-amerikanische missionare oder um den "feind
nr.1" bin-laden geht. das in berichten aus kabul oder anderen städten in
afghanistan nur männer zu sehen sind, daß in berichten von den "bewohnern
auf der straße" die rede ist + mensch nur männer auf den bildern sieht,
scheint nicht wahrgenommen zu werden.auch in den meldungen zur zeit, bei
denen es um die menschen geht die zu der christlichen gruppe "shelter now"
gehören ,ist fast ausschließlich von den nicht-afghanischen gefangenen die
rede, während kein mensch weiß oder wissen will, was mit den afghanischen
gefangenen ist, wo sie sind, unter welchen bedingen usw..
redebeitrag :
seit 1996 sind in afghanistan die taliban an der macht und seitdem führen
sie einen krieg gegen frauen. fast wöchentlich ändern die taliban ihre
gesetze -- der alltag wird zur folter. welche sich die nägel lackiert, eine
freundin fotografiert oder zeichnet, flöte spielt, zu einem lied klascht
oder eine nicht - afghanische frau zum tee einlädt, bricht gesetze der
taliban. genauso diejenige, die fern sieht, oder musik von schallplatten und
kassetten hört. der einzige noch erlaubte radiosender ist radio scharia.
frauen dürfen nicht arbeiten, außer im medizinischen bereich und mädchen die
älter als 8 jahre sind, dürfen keine öffentlichen schulen mehr besuchen.
keine frau darf ohne ihren vater, bruder oder ehemann das haus verlassen.
die fenster eines hauses indem eine frau wohnt sind zu vermauern oder dunkel
zu streichen. seit dem 6.september 97 wird frauen und mädchen der zugang zu
den staatlichen kliniken nicht mehr gestattet, um, so sagen die taliban,
zufällige kontakte zwischen frauen + männlichem klinikpersonal oder
patienten zu vermeiden. ein krankenhaus in kabul wurde zur frauenklinik
erklärt : 45 betten, nur stundenweise strom, ohne fließendes wasser, ohne
labor, ohne operationssaal. da die taliban den frauen auch verbot ohne
männliche begleitung einkaufen zu gehen, bzw.nach lebensmittelhilfe
anzustehen, sind allein in kabul etwa 50.000 witwen vom hungertod bedroht.
die meisten frauen sind arm und haben kein geld für die burka. die burka ist
das markanteste zeichen für die talibanherrschaft. sie ist ein den ganzen
körper umhüllender schleier mit vergitterten augenschlitzen + muß braun oder
schwarz sein. die burka verdeckt alles, sie verbirgt alles menschliche.
welche unter der burka steckt, wird nicht länger als individuum
wahrgenommen. jede kleine bewegung wird unsichtbar, jede stimme gesichtslos.
doch nicht erst mit den taliban begann der krieg gegen die afghanischen
frauen. auch unter den mudschaheddin waren afghaninnen massenhaft der gewalt
von männern ausgesetzt. in berichten aus den jahren 94 + 95 wird von
willkürlichen verhaftungen, massenmorden, weitverbreiteten folterungen +
vergewaltigungen an frauen + kindern von allen seiten der bewaffneten
gruppierungen geschrieben. auch in afghanistan zeigen die frauen stärke +
wehren sich gegen die patriarchalen herrschaftsstrukturen und die
frauenverachtenden gesetze. afghanistan hat den seit 1920 eine aktive
frauenbewegung und diese konnte selbst von den taliban + mudschaheddin nicht
ganz zerstört werden. die RAWA (revolutionäre vereinigung der frauen in
afghanistan), eine parteiunabhängige organisation, rief ende april zu ihrer
5. frauendemo gegen die frauenfeindliche politik aller afghanischen parteien
in peschawar/ afghanistan auf, an der ca. 1000 frauen teilnahmen. RAWA
organisiert in den flüchtlingslagern in pakistan kostenlose gesundheitliche
betreuung, schulen + kindergärten . in afghanistan gibt es verschiedene von
der RAWA unterstützte hilfen für frauen. es wird eingekauft, medizinische
hilfe besorgt, medikamente werden geschmuggelt, schulunterricht für frauen +
mädchen wird organisiert usw. leider wurde die arbeit der RAWA seit einem
jahr noch schwerer, da jetzt auch in pakistan die scharia als gesetz gilt
und auch dort die frauen unter die burka gezwungen werden sollen,was bisher
nur in einigen ländlichen gebieten für die frauen vorgeschrieben war. das
patriarchale asylgesetz in der brd gewährt frauen aus afghanistan kein asyl,
da die verwaltungsgerichte entschieden haben, daß es in afghanistan keine
staatlichen herrschaftsstrukturen, also auch keine staatliche verfolgung
gibt. unsere liebe und solidarität gilt allen kämpfenden frauen weltweit!
selbstdarstellung der revolutionary association of women of afghanistan (RAWA)
:
RAWA, die revolutionäre vereinigung der frauen aus afghanistan, wurde 1977
in kabul als unabhängige frauenorganisation gegründet, um für menschenrechte
+ soziale gerechtigkeit in afghanistan zu kämpfen.
die gründerinnen waren einige afghanische intellektuelle frauen unter der leitung von meena, die 1987 in quetta (pakistan) von afghanischen agenten des kgb gemeinsam mit der fundamentalistischen gruppe um gulbuddin hekmayar, ermordet wurde. RAWA's ziel war es die wachsende zahl der politisch + sozial tätigen frauen in afghanistan zu vereinen um in einem gemeinsamen kampf für frauenrechte zu streiten + damit den kampf einiger für eine befreite gesellschaft, die auf demokratischen + säkularen werten basiert, zu unterstützen. die RAWA war sehr schnell involviert in den verschiedensten bereichen der sozio-politischen arbeit einschließlich bildung, gesundheit + kinder-+ jugendarbeit, aber auch in der politischen agitation. vor dem ,von moskau diktierten, putsch im april 78 waren die aktivitäten der RAWA bestimmt von der agitation für frauenrechte + demokratie , aber danach + speziell nach der sowjetischen okkupation im dezember 79, beteiligte sich die RAWA direkt am widerstandskampf. im gegensatz zu der mehrheit der beteiligten islamischen fundamentalistischen "freiheitskämpfern" des anti-sowjetischen widerstandes ging es der RAWA um demokratie + säkularismus. trotz der repression + der politischen unterdrückung unter den sowjets wurde die RAWA immer größer + eine wachsende zahl von RAWA - aktivistinnen begannen mit ihrer arbeit mit frauen in den flüchtlingslagern in pakistan. um diese frauen + ihre kinder zu unterstützen richtete die RAWA schulen mit weitergehender betreuung ( übernachtung, essen usw.) ein, ein krankenhaus für frauen + kinder in quetta mit mobilen medizinischen teams wurde ebenfalls aufgebaut. zusätzlich gibt es kursangebote für die frauen, u.a. in gesundheits - + kinderpflege. wichtiger für die frauen sind aber die lese - + schreibkurse, die literaturkurse + die rhetorikkurse. demonstrationen gegen die jeweils herrschenden , erst die sowjets + ihre marionetten, dann die fundamentalisten, daß enthüllen ihrer verbrechen, ist eine konstante in der politischen arbeit der RAWA. die konsequenz daraus ist, daß die RAWA- frauen durch ihre agitation gegen die sowjets von diesen als "verräterinnen" bezeichnet wurden, während die islamischen fundamentalisten die RAWA bekämpfen für ihre pro-demokratische, pro-säkularistische + antifundamentalistische einstellung. unsere kompromißlose einstellung gegen diese feinde unseres volkes hat uns einige unserer lieben gekostet, wie z.b. die ermordung der gründerin sowie einer großen anzahl aktiver frauen beweist, aber wir haben immer + werden immer zu unseren grundsätzen stehen, trotz der tötlichen angriffe auf uns. zur verbreitung unserer ideen + ziele + um afghanischen frauen allgemein aufmerksamer zu machen für ihre politischen + sozialen rechte + möglichkeiten, bringt die RAWA seit 1981 ein zwisprachiges (persich/paschtu) magazin , PAYAM-E-ZAN (frauen-nachrichten) heraus. dieses gibt es immer noch + wird durch ausgaben in urdu + in englisch ergänzt. seit dem sturz der sowjetischen marionetten-regierung 1992 liegt der schwerpunkt der RAWA im politischen kampf gegen die fundamentalisten + ultra-fundamentalisten der taliban, deren kriminelle machenschaften gegen das afghanische volk im allgemeinen + speziell deren unglaublich ultra-männer-chauvinistische + frauenfeindliche orientierung. neben den politischen änderungen + herausforderungen die die RAWA zur zeit durchmacht, liegt eine riesiege sozial - + hilfsarbeit mit immens traumatisierten frauen + kinder vor uns, aber da uns keine ngo oder sonstige internationale organisation unterstützt sind unsere sozialen hilfsprogramme wegen geldmangel reduziert
16.09.2001 04:43
Erklärung afghanischer Frauen
Hier eine Erklärung von afghanischen Frauen/Aktivistinnen (RAWA) zu den Anschlägen in den USA und dem bevorstehenden militärischen Angriff auf Afghanistan.
The people of Afghanistan have nothing to do with Osama and his accomplices
On September 11, 2001 the world was stunned with the horrific terrorist attacks on the United States. RAWA stands with the rest of the world in expressing our sorrow and condemnation for this barbaric act of violence and terror. RAWA had already warned that the United States should not support the most treacherous, most criminal, most anti-democracy and anti-women Islamic fundamentalist parties because after both the Jehadi and the Taliban have committed every possible type of heinous crimes against our people, they would feel no shame in committing such crimes against the American people whom they consider "infidel". In order to gain and maintain their power, these barbaric criminals are ready to turn easily to any criminal force.
But unfortunately we must say that it was the government of the United States who supported Pakistani dictator Gen. Zia-ul Haq in creating thousands of religious schools from which the germs of Taliban emerged. In the similar way, as is clear to all, Osama Bin Laden has been the blue-eyed boy of CIA. But what is more painful is that American politicians have not drawn a lesson from their pro-fundamentalist policies in our country and are still supporting this or that fundamentalist band or leader. In our opinion any kind of support to the fundamentalist Taliban and Jehadies is actually trampling democratic, women's rights and human rights values.
If it is established that the
suspects of the terrorist attacks are outside the US, our constant claim
that fundamentalist terrorists would devour their creators, is proved once
more. The US government should consider the root cause of this terrible
event, which has not been the first and will not be the last one too. The US
should stop supporting Afghan terrorists and their supporters once and for
all.
Now that the Taliban and Osama are the prime suspects by the US officials
after the criminal attacks, will the US subject Afghanistan to a military
attack similar to the one in 1998 and kill thousands of innocent Afghans for
the crimes committed by the Taliban and Osama? Does the US think that
through such attacks, with thousands of deprived, poor and innocent people
of Afghanistan as its victims, will be able to wipe out the root-cause of
terrorism, or will it spread terrorism even to a larger scale?
From our point of view a vast and indiscriminate military attacks on a country that has been facing permanent disasters for more than two decades will not be a matter of pride. We don't think such an attack would be the expression of the will of the American people.
The US government and people should know that there is a vast difference between the poor and devastated people of Afghanistan and the terrorist Jehadi and Taliban criminals.
While we once again announce our solidarity and deep sorrow with the people of the US, we also believe that attacking Afghanistan and killing its most ruined and destitute people will not in any way decrease the grief of the American people. We sincerely hope that the great American people could DIFFERENTIATE between the people of Afghanistan and a handful of fundamentalist terrorists. Our hearts go out to the people of the US.
Down with terrorism!