Der Zusammenbruch der Taliban hat nicht Frieden und
Demokratie gebracht. Statt dessen ringen lokale und regionale Stammesfürsten
um Macht und Reichtum.
Nun geht die Angst vor dem Chaos um, das vor den Taliban geherrscht hat.
"Damals wollte jeder Stamm seine eigene Macht haben. Die Taliban haben das
einfache Volk nicht respektiert, aber sie haben Frieden und Sicherheit
gebracht.
Wir sind nicht traurig, dass sie weg sind, aber wir wissen nicht, wer jetzt
die Macht hat. Wenn die neue Regierung keinen Frieden erhalten kann und
unsere Geschäfte zusammenbrechen, dann werden wir unglücklich über den Fall
der Taliban sein", erzählt der Kleinhändler für Autoersatzteile Gul
Mohammed, 27.
Ob die Regierung Frieden bringen kann, ist sehr fraglich angesichts der
internationalen Einmischung. Während die deutschen Truppen in Kabul
stationiert sind, bauen die USA einen Militärstützpunkt in Kandahar.
Gleichzeitig unterstützen Russland, Iran, Indien und Pakistan verschiedene
Warlords der Nordallianz – alle Beteiligten wollen ihren Einfluss auf Kosten
der Anderen ausbauen. So legt der Krieg der "Antiterrorallianz" gegen die
Taliban den Grundstein für den nächsten Krieg – diesmal innerhalb des
Bündnisses.