Millionen Afghanen ohne Nahrung, Obdach und Medizin

Das seit zehn Wochen andauernde US-Bombardement und die Machtergreifung der Nordallianz hat den Großteil der afghanischen Bevölkerung der Gefahr des Hunger- und Kältetod ausgesetzt. Der Winter setzt ein, und Nahrung, Kleidung und Medizin, von denen das Überleben von schätzungsweise sieben Millionen Menschen, darunter laut UNICEF 1,5 Millionen Kinder unter fünf Jahren, abhängig sind, wurde nicht verteilt.
Zwar haben die Vereinten Nationen 55.000 Tonnen Nahrung nach Afghanistan transportiert. Das würde ausreichen, um sechs Millionen Menschen für einen Monat zu ernähren.
Aber die Nicht-Regierungsorganisationen, die für die Vereinten Nationen die Hilfslieferungen verteilen, haben aus Sicherheitsbedenken ihre Arbeit eingestellt.
Georges Dutreix, Sprecher einer französischen Hilfsorganisation, erzählt: "In den nördlichen Gebieten Afghanistans sind wegen des Banditentums viele Landstriche unsicher."
Der Süden Afghanistans, wo die US-Bombardements andauern, sei unbetretbar. "Die Hälfte der Bevölkerung ist unerreichbar."
Der pakistanische Journalist Nabil Khalili berichtete, dass viele Menschen "nackt sind und Graßwurzeln essen".

Arzneien
Der Kabuler Arzt Mohammad Nahim berichtet: "Das Gesundheitssystem ist zerstört. Es gibt keine Arzneien, wenig Nahrung und keine moderne Ausrüstung. Sogar unsere alte medizinische Ausrüstung wurde geplündert."
Es wird geschätzt, dass zum Wiederaufbau des Landes in den nächsten fünf Jahren fünf bis zehn Milliarden Dollar fließen müssen. Aber es ist zweifelhaft, ob die westlichen Regierungen bereit sein werden, so viel zu zahlen.
Schon vor der Machtübernahme der Taliban bat die UNO um 124 Millionen Dollar für humanitäre Hilfe in Afghanistan – schon von diesem Bruchteil der heute gebrauchten Summe erhielt sie nur die Hälfte.
Statt dessen legten die USA einen Bombenteppich über das Land. Jede Cruise Missile, die von den USA abgefeuert wurde, kostet eine Million Dollar. Um so viel zu verdienen müsste ein Afghane mehrere Tausend Jahre arbeiten.
Die Bomben der USA haben die Hungersnot in Afghanistan verschärft. Jetzt stehlen sich die USA aus ihrer Verantwortung.
Bushs Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice sagte: "Der Aufbau der Zivilgesellschaft ist keine Aufgabe amerikanischer Militärs."