Wer sich nicht benimmt, kriegt Ärger

Das gilt auch für die USA, denen Chalmers Johnson ihre zahlreichen außenpolitischen Verfehlungen vorhält

Von Ludwig Watzal

Dieses Buch würde mit dem Bannstrahl des Antiamerikanismus belegt, wenn der Autor nicht selbst Amerikaner wäre. Chalmers Johnson, der bis 1992 an der University of California in Berkeley und San Diego Politikwissenschaft gelehrt hat, geht mehr als hart mit seinem Land ins Gericht. Johnson beschreibt die Ressentiments, die den USA auf Grund ihrer imperialen Rolle und Dominanz entgegenschlagen. Amerika sieht sich nach Ansicht des Autors einem "Blow-back" ausgesetzt, einem Rückstoß. Johnson meint, dass die Außenpolitik der USA den Boden für künftige Katastrophen und Konflikte bereitet. Für diese Rückstöße seien die USA somit selbst verantwortlich.

In den Medien würden solche Vorfälle als verwerfliche Akte von "Terroristen", "Drogenbossen", "verbrecherischen Regimen" oder "illegalen Waffenhändlern" bezeichnet, in Wahrheit aber handele es sich um Vergeltungsaktionen "für frühere amerikanische Operationen". Als Beispiele nennt Johnson Anschläge auf den PanAm-Jumbo über dem schottischen Lockerbie, auf amerikanische Botschaften in Afrika, auf das World Trade Center oder auf amerikanische Militärangehörige in Saudi-Arabien.

Dass solche Gewalttaten nun aber den Anfang vom Ende des amerikanischen Imperiums markieren, von dem der Buchtitel spricht, das zu behaupten hütet sich auch Johnson. Er nimmt vielmehr nur an, "dass das amerikanische Imperium diesem Schicksal nicht auf wundersame Weise wird entrinnen können".

Besonders kritisch setzt sich Johnson mit der amerikanischen Politik gegenüber Japan auseinander. Die Insel Okinawa sei die letzte asiatische "Militärkolonie" der USA, in der das Pentagon, die CIA und Sonderkommandos Dinge täten, "die sie sich in den Vereinigten Staaten nicht erlauben dürften". Anstatt die Insel nach dem Ende des Kalten Krieges zu räumen, hätten die Amerikaner unter Clinton einfach neue "Bedrohungen" durch China oder Nordkorea erfunden, die ihre Präsenz erforderlich machten. "Damit begann eine Periode extremer amerikanischer Heuchelei, Verlogenheit und Gier." Johnson beklagt besonders die zahlreichen Sexualdelikte amerikanischer Soldaten auf Okinawa, aus denen keine hinreichenden Konsequenzen gezogen würden. Eine ähnlich überhebliche Rolle spielten die USA auch in Südkorea.

Johnson fordert, dass die amerikanischen Politiker ihre Handlungsfähigkeit gegenüber den Militärs zurückgewinnen müssten, die sie seit dem Ende des Kalten Krieges verloren hätten. Auch in Südostasien würde die doppelbödige Politik der USA in Bezug auf Menschenrechte und Demokratie deutlich. So prangerten die Amerikaner immer wieder Menschenrechtsverletzungen in China an, wohingegen sie diese in Südkorea oder Indonesien stillschweigend hinnähmen.

Manche Ausführungen des Autors durchzieht ein Hauch von Verschwörungstheorie, insbesondere wenn er auf den "Mythos der Globalisierung" zu sprechen kommt, der nur dem einen Ziel diene, die Weltwirtschaft unter die amerikanische Knute zu zwingen. Dazu bedienten sich die USA ihrer Militärmacht, ihrer Finanzkraft und aller ihnen zur Verfügung stehenden Institutionen wie zum Beispiel des Internationalen Währungsfonds. Dieser sei nur "ein Anhängsel des US-Finanzministeriums".

Der Rest der Welt also nur Statisten? Johnsons Buch ist eine Anklageschrift. Es ist spannend, faktenreich, aber an einigen Stellen ideologisch überzeichnet.

 

 

 

Chalmers Johnson: Ein Imperium verfällt. Wann endet das Amerikanische Jahrhundert? Aus dem Amerikanischen von Thomas Pfeiffer und Renate Weitbrecht. Blessing, München 2000. 320 S., 42,90 Mark.

Ludwig Watzal ist freier Journalist. Er lebt in Bonn.