"Bush
ist blutrünstig"
In seiner Rede zur Lage der Nation bezeichnete George W. Bush den Iran, Irak und
Nordkorea als "Achse des Bösen". Teheran antwortete mit nicht minder
martialischen Worten.
Teheran - Das geistliche Oberhaupt Irans, Ajatollah Ali Chamenei, bezeichnete die USA erneut als "den großen Satan". Er warf Bush vor, sich in seiner Rede zur Lage der Nation "blutrünstig" gezeigt zu haben.
Bush hatte angekündigt, die USA würden nicht zulassen, von Iran, Irak oder Nordkorea mit Massenvernichtungswaffen bedroht zu werden. Das verstärkte die Spekulationen, eines dieser drei Länder könne nächstes Ziel der USA bei ihrem Feldzug gegen den internationalen Terrorismus werden.
Die USA vermuten, dass Nordkorea Irak und Iran mit Raketentechnologie beliefert hat. Nordkorea stand zudem lange im Verdacht, auch die Kernwaffen für seine Raketen bauen zu wollen. Die USA haben Iran im Verdacht, die Erkenntnisse der Atomenergie-Technik für die Entwicklung von Kernwaffen zu missbrauchen. Irak wiederum wird beschuldigt, seine völkerrechtlich verbindliche Zusage gebrochen zu haben, auf Massenvernichtungswaffen zu verzichten. Das Raketenabwehrsystem, das die USA planen, soll die Vereinigten Staaten namentlich gegen diese drei Staaten schützen.
Iran war bis zur Islamischen Revolution 1979 der wichtigste Partner der USA im Mittleren Osten. Im selben Jahr überfielen militante Studenten die US-Botschaft in Teheran und nahmen 52 Amerikaner für 444 Tage als Geisel. Die USA brachen 1980 die Beziehungen zu Iran ab und froren alle staatlichen Guthaben bei ihren Banken ein. Seit der Wahl des Pragmatikers Mohammad Chatami zum Präsidenten 1997 hat sich das Verhältnis allerdings entspannt. Im Afghanistan-Konflikt arbeiteten die USA und Iran anfänglich sogar zusammen, um die Islamisten zu entmachten, die von Irans regionalem Rivalen Saudi-Arabien unterstützt wurden.
Inzwischen aber sind die Spannungen wieder gestiegen. Die USA werfen Iran vor, sich in die Angelegenheiten des auf amerikanischen Kurs gebrachten Nachbarlandes Afghanistan einzumischen und versucht zu haben, den aufständischen Palästinensern Waffen zu liefern. Eine Schiffsladung mit angeblich iranischen Waffen, die nach israelischen Angaben für die Palästinenser bestimmt waren, war von Israel im Roten Meer abgefangen worden. Chamenei sagte, Iran werde die Palästinenser weiter unterstützen und sich um die USA nicht scheren. Im Gegenteil, Iran sei stolz auf die Gegnerschaft "der meistgehassten satanischen Macht der Welt".