Friedensgipfel?
Clinton, Schröder und die anderen Vertreter der
NATO-Staaten behaupteten auf dem G7-Gipfel, daß nach dem Kosovo-Krieg "die
Welt jetzt ein sicherer, stabilerer Ort geworden ist". Die Wahrheit sieht
ganz anders aus.
"Jeder noch so kleine, unabhängige Staat wird versuchen, Nuklearwaffen und
Trägersysteme zu beschaffen, um sich zu verteidigen", so beschrieb der
russische Unterhändler Tschernomyrdin die politische Situation nach dem
NATO-Krieg auf dem Balkan.
Er wird bestätigt von John Erickson, Militärexperte an der Universität
Edinburgh: "Die Schlußfolgerung für zahlreiche Länder wird sein, nicht
nachzugeben, sondern die Verteidigungskapazitäten auszubauen. Diese
Verteidigung muß in der Lage sein, trotz der enormen technischen und
massemäßigen Überlegenheit der USA zu beeindrucken - das heißt
Nuklearwaffen. Dies ist eine logische Schlußfolgerung, wenn man durch
strategische Bomber und High-Tech-Waffen bedroht wird."
Schon ohne atomares Wettrüsten dreht sich die Rüstungsspirale immer
bedrohlicher nach oben. Die USA wird nächstes Jahr voraussichtlich mehr für
Waffen ausgeben, als während des Kalten Krieges in den 50ern. 1999 wird die
USA so viel ausgeben, wie während des Höhepunkts des Vietnamkrieges.
Die USA ist die treibende Kraft des neuen Rüstungswettlaufs. Sie stellt über
die Hälfte der NATO-Ausgaben. US-Außenministerin Madeleine Albright sagte
schon letztes Jahr, daß die Amerikaner die NATO in die Lage bringen wollten,
"vom Mittleren Osten bis Zentralafrika" eingreifen zu können.
Die USA hat ihre Augen aber auch auf die Öffnung der ehemaligen Block- und
Sowjetstaaten gerichtet. Dort treibt sie die Ausweitung der NATO voran, auch
gegen russischen Widerstand. Polen, Ungarn und Tschechien sind bereits in
die NATO aufgenommen worden, trotz anderer Abmachungen mit Rußland. Wegen
ihres Eintritts in die NATO müssen Tschechien, Ungarn und Polen über $20
Milliarden für den Kauf von neuen Flugzeugen und Waffen von westlichen
Rüstungsfirmen ausgeben.
Jetzt zeigen Georgien, Moldavien, Aserbaidschan und sogar die Ukraine
Interesse daran, in die NATO aufgenommen zu werden. Mit der Pistole am Kopf
gehen sie nach der Zerstörung Serbiens lieber auf die sichere Seite: Die
militärischen Pläne der USA und der NATO kennen keine Zurückhaltung mehr -
in letzter Zeit hat die USA Abkommen mit Japan und Taiwan abgeschlossen, um
eine starke Front gegen China aufzubauen. Gefährlicher Zündstoff!
Linksruck Nr. 71, Juli 1999