Milliarden-Deal mit Schurkenstaat?

Die USA wollen angeblich Libyen von der Liste der Staaten streichen, die den Terrorismus unterstützen. Voraussetzung ist, dass Tripolis bis zu sechs Milliarden Dollar Schadenersatz für den Lockerbie-Anschlag zahlt.
Washington - Libyen habe verstanden, dass es die Verantwortung für den Anschlag akzeptieren müsse, sagte eine hochrangiger US-Regierungsbeamter. Das berichtet die Zeitung "USA Today". Bei dem Anschlag auf ein Jumbo-Jet der Pan Am über der schottischen Stadt Lockerbie im Jahre 1988 waren 270 Menschen getötet worden, darunter 189 Amerikaner.

Bis zu sechs Milliarden Dollar (rund 6,8 Milliarden Euro) soll Libyen angeblich jetzt also zahlen, um nicht mehr zusammen mit Kuba, dem Iran, Irak, Nord-Korea, dem Sudan und Syrien auf der Liste terroristischer Länder zu stehen. Im Gegenzug würden Sanktionen gegen das nordafrikanische Land aufgehoben. Tripolis hoffe, dass amerikanische Ölgesellschaften dann zurück ins Land kommen.

Der stellvertretende amerikanische Außenminister William Burn soll sich in den vergangenen Monaten zweimal in London mit einer libyschen Delegation getroffen haben. Darunter sei der Chef des libyschen Geheimdienstes, Musa Kusa, gewesen, der verdächtig wird, in den Lockerbie-Anschlag verwickelt zu sein.

Nach Angaben der Zeitung zeichnet sich eine Einigung ab. Endgültig soll über den Handel erst entschieden werden, wenn das Verfahren gegen den mutmaßlichen Attentäter Abdel Bassit Ali al-Mekrahi in den Niederlanden abgeschlossen ist. Das Berufungsverfahren des früheren libyschen Geheimdienstagenten begann am Mittwoch. Mekrahi war vor einem Jahr wegen des Lockerbie-Anschlags zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Nach Ansicht seiner Verteidiger handelt es sich um einen Justizirrtum. Die Dauer des Berufungsverfahrens wird auf drei bis vier Woche geschätzt.

Angehörige verstehen die Welt nicht mehr

In den USA mache sich Unmut über die Verhandlungen der Regierung mit den Libyern breit, so die Zeitung. Vor allem Angehörige der Opfer, aber auch Mitglieder der Regierung sind gegen den Deal. "Ich glaube, es ist eine absolute Schande, wenn ausgerechnet das Land von der Terror-Liste gestrichen wird, das ein amerikanisches Flugzeug in die Luft gesprengt hat", wird die Mutter eines Opfers zitiert.

Libyen-Experten hielten dagegen, die Vereinigten Staaten müssten es honorieren, wenn ein muslimisches Land sein Verhalten ändert. In Zeiten des steigenden Anti-Amerikanismus in der arabischen Welt sei dies besonders wichtig. Der letzte Bericht des Außenministeriums habe gezeigt, dass es keine Anzeichen für Anti-US-Terror Libyens innerhalb der letzten zehn Jahre gebe.

Spiegel online