Allen Warnungen der Hilfsorganisationen zum Trotz bombt Bush weiter. In der SPD und bei den Grünen werden Stimmen lauter, die einen sofortigen Bombenstopp fordern. Dagegen behauptet Schröder, eine Unterbrechung werde den Konflikt nur ausweiten. Er lügt: Es sind die US-Bomben, die immer mehr Not und Elend bringen.
Nach drei Wochen Krieg bestätigen sich die Angaben der Taliban über unschuldige Opfer. Wenige Tage vor Einbruch des afghanischen Winters droht eine humanitäre Katastrophe.
Von chirurgischen Eingriffen kann keine Rede sein. Das Internationale Komitee des Roten Kreuzes meldet inzwischen vier zerstörte Lagerhäuser. Sie waren allesamt mit einem großen roten Kreuz auf dem Dach markiert. US-Bomber vernichteten Nahrungsmittelvorräte und Hilfsgüter.
In einem Dorf nahe Kabul töteten Bomben zwei Mädchen im Alter von 6 und 11 Jahren.
Die Flucht vor den Bomben wurde 25 Menschen, darunter 9 Kindern, in einem Treck zum Verhängnis. Eine Bombe hatte einen vollbesetzten Traktor mit Anhänger getroffen.
Inzwischen musste die US-Regierung zugeben, dass sie Streubomben einsetzt. Sie setzen vor dem Aufschlag 200 kleine Bomben frei, die eine Fläche von 150 mal 350 Metern abdecken. 10 Prozent davon sind Blindgänger. Sie können bis zu 50 Jahre im Wüstensand liegen, "bevor ein Bauer oder ein Kind darauf stößt" warnt Peter Le Sueur von MAPA (Mine Action Program Afghanistan). Zuletzt haben die USA und die NATO im Kosovokrieg Streubomben eingesetzt. Seit Ende des Krieges dort starben 150 Zivilisten durch Detonationen von übriggebliebenen Streubomben.
Nach UNO-Angaben töteten die Bomben Ende Oktober neun Bewohner des Dorfes Schakar Kala bei Herat. Der Angriff traf auch eine Moschee und ein Krankenhaus. Die Bewohner mussten fliehen, weil sie wegen der herumliegenden Sprengkörper ihre Häuser nicht mehr verlassen konnten.
Aus Angst vor den Angriffen fliehen immer mehr Menschen in entlegene Gebiete. Dort sind sie abgeschnitten von jeglicher Hilfe.
Selbst dort, wo die Flüchtlinge in die Nähe pakistanischer Städte kommen, sind sie nicht sicher. Die Grenzen sind immer noch geschlossen. Viele überqueren die Grenzen illegal. "Sobald die Menschen aus Angst vor einer zwangsweisen Rückführung durch die pakistansichen Behörden untertauchen, können sie von uns kaum mehr versorgt werden," sagt Diderik van Halsema, Sprecher von "Ärzte ohne Grenzen" in Islamabad.
Der Grünen Parteirates, die Jusos und viele führender SPD-Politiker haben Recht: Die Menschen in Afghanistan brauchen einen sofortigen Bombenstopp.
Die US-Armee muss sich sofort aus ganz Zentralasien zurückziehen. Nur so kann der Frieden eine Chance haben.
Linksruck Nr. 117, 31. Oktober 2001