PRESSE ZU US-GEFANGENEN

"Primitive Rachegelüste"

Die Behandlung der Gefangenen in Guantánamo Bay sorgt weltweit für Aufregung. Der USA werden Verstöße gegen internationales Recht und Folter der Gefangenen vorgeworfen. Auch in der internationalen Presse ist nur wenig Verständnis für die Amerikaner zu vernehmen. Von "rachsüchtiger Siegerjustiz" und "Dummheit" ist die Rede.

So meint das konservative österreichische Blatt "Die Presse" die USA betreibe eine "rachsüchtige Siegerjustiz".

"Die USA umgeben sich gern mit der Aura des Vorkämpfers für die Werte der westlichen Zivilisation. Wenn sie nun aber bei der Behandlung feindlicher Kämpfer rechtsstaatliche Standards einfach beiseite wischen, schwächen sie genau jene Prinzipien, für die sie angeblich in den Krieg gezogen sind."

Die liberale Tageszeitung "Politiken" aus Dänemark sieht die Bilder von der Behandlung der Gefangenen nur schwer vereinbar mit einer Operation, die sich "Unendliche Gerechtigkeit" nennt:

"Die Bilder sollen augenscheinlich primitive Rachegelüste befriedigen und die Amerikaner davon überzeugen, dass die Bush-Administration nicht nur in der Lage war, ein Regime von religiösen Verrückten zu beseitigen, sondern auch einige Verantwortliche für die Terroranschläge im September zu fangen."

Der niederländische "deVolkskrant" findet die Haltung der USA, die Häftlinge als "illegale Kämpfer" zu betiteln und ihnen so den Status von Kriegsgefangenen zu verweigern, "dumm".

"Sie (die USA) kämpfen ja nicht nur gegen terroristische Gewalt, sondern auch für bestimmte Normen der Zivilisation in der Welt. Wenn die amerikanische Regierung bei der Behandlung ihrer Gefangenen die Normen schändet, wirkt das kontraproduktiv."

Nur die konservative Zeitung "ABC" aus Madrid zeigt Verständnis für die Vereinigten Staaten und versucht, den Vorwurf der Folter zu entkräften.

"Die Fotos zeigen nur eine kleine Gruppe, nicht aber das normale Leben im Lager. Zudem ließen die USA Beobachter des Roten Kreuzes zu. Und hier liegt der Unterschied. In Staaten wie Kuba oder China, in denen systematisch gefoltert wird, erlaubt man keine Inspektion von Gefangenenlagern durch internationale Organisationen."