Schweden kritisiert US-Nahostpolitik
EU protestiert gegen Zerstörung von Aufbauprojekten durch Israel
Stockholm/Brüssel — Die schwedische
Außenministerin Anna Lindh hat die Nahost-Politik der USA ungewöhnlich
scharf kritisiert. Lindh sagte im schwedischen Radio, es sei ,,gefährlich,
beunruhigend und verrückt", Palästinenser-Präsident Jassir Arafat mit
Terroristen gleichzusetzen und die Kontakte mit ihm abzubrechen. ,,Damit
kommt man dem Frieden oder Friedensverhandlungen nicht näher", sondern
forciere ,,die Entwicklung zu einem regelrechten Krieg..." .....,,Das
ist eine sehr gefährliche Politik", sagte Lindh, ,,damit belohnt man
Scharons Gewalt in Nahost". Arafat mit Terroristen gleichzusetzen, halte sie
für ,,empörend". Solche Diskussionen seien ,,unsachlich und dumm".
Solche Töne hat man aus Schweden lange nicht mehr gehört. Unter
Ministerpräsident Olof Palme hatte Schwedens Stimme außenpolitisches
Gewicht. Palme provozierte die USA in den siebziger und achtziger Jahren und
kritisierte vor allem deren Politik gegenüber der Dritten Welt. Der jetzige
Ministerpräsident Göran Persson hält sich damit zurück. Anna Lindh gilt als
aussichtsreiche Kandidatin für eine Persson-Nachfolge. Lindh setzte sich am
Montag auch beim Außenminister-Treffen in Brüssel dafür ein, nicht mit
Arafat zu brechen-
Europas Außenminister forderten die israelische Regierung nach dem Treffen dazu auf, sich weiterhin mit Arafat um ei ne Friedenslösung für den Nahen Osten zu bemühen. ,,Israel braucht den gewählten Präsidenten als Verhandlungspart ner" hieß es in einer Erklärung des EU Ministerrats. Auch Bundesaußenminis ter Joschka Fischer betonte, dass ,,es zu Verhandlungen keine Alternative gibt".
US Präsident George W. Bush hatte am Wochenende Zweifel geaußert' dass Arafat entschieden genug , palästinänsische Terroranschläge zu unter binden. Zwar verlangten am Montag auch die EU-Außenminister von Arafat, ,,alles zu tun, um den Terrorismus zu be enden". Aber zugleich appellierten die Europäer an Israel, seine Truppen aus den palästinensischen Gebieten zurück zuziehen. Zur Frage nach der Schuld für der Gewalt warnte auch Fischer vor einer ,,einseitigen Position".
Beschwerdebrief an Peres
offene Kritik der
Europäer
Armee Aufbauprojekte zerstört hat, die von der EU für die Palästinenser
finanziert worden waren. Pique verlangt in dem Schreiben an seinen
israelischen Kollegen Schimon Peres, ,,diese Praktiken zu beenden".
Europa behalte sich das Recht vor, von Israel Entschädigungen zu
verlangen. Beamte des für Außenpolitik zuständigen EU-Kommissars Chris
Patten hatten die Schäden zuletzt auf 17,3 Millionen Euro beziffert.
Javier Solana, Europas außenpolitischer Repräsentant, wird heute in die USA reisen, um sich in Washington und am Rande des World Economic Forums in New York um eine abgestimmte Position mit der US-Regierung zu bemühen. EU-Diplomaten äußerten die Eröffnung, auf diese Weise insbesondere die Position von US-Außenminister Colin Powell stärken zu können, der sich bisher an der Kritik an Arafat nicht beteiligt hat.
Von Gerhard Fischer und
Christian Wernicke