Die Widerlegung der Kriegsargumente
Die Kriegsbefürworter haben eine Reihe von Begründungen zusammengetragen, um den Krieg in Afghanistan zu rechtfertigen. Wir wollen im Folgenden einige davon herausgreifen und widerlegen.
Islamischer Fundamentalismus
Viele Menschen sind
verständlicherweise von der Scharia, dem islamistischen Gesetzbuch, das die
Taliban zur Rechtsgrundlage gemacht haben, abgestoßen.
Aber wenn es Bush und Schröder mit dem Krieg darum gehen würde, wären sie
dann mit dem reaktionärsten islamistischen Land der Welt, der
saudi-arabischen Monarchie, verbündet?
Dort gilt auch die Scharia, dort werden Dieben die Hände abgehackt, beim
zweiten mal der Kopf. Dort müssen Frauen den ganzen Körper verschleiern und
haben keine Bürgerrechte.
Genauso wie in Afghanistan dürfen Frauen auch in Saudi-Arabien keine Autos
fahren. Auch dort werden sie für Ehebruch gesteinigt.
Saudi-Arabien, und auch das Nachbarland Vereinigte Arabische Emirate (VAE),
das sich in nichts von Saudi-Arabien unterscheidet, stehen auf der
Empfängerliste deutscher Waffen. Noch 1998 hatte der frisch gewählte
Verteidigungsminister Scharping die Lieferung von Spürpanzern an die VAE
durchgesetzt.
Frauenrechte
Frauen hatten unter der
Herrschaft der Taliban zu leiden. Aber es ist nicht zu erwarten, dass der
Zusammenbruch der Taliban ihre Lage verbessern wird.
Der Reporter Chris Stevens berichtet aus Kabul:
"Täglich kann man ausländische Zeitungsfotografen dabei beobachten, wie sie
Frauen überreden, die Burka, den Ganzkörperschleier, abzunehmen.
Was sie nicht zeigen, ist, wie die Frauen die Burka einen Moment später
wieder anlegen. Es bleibt eine Tatsache, dass die Nordallianz von Frauen
dasselbe hält wie die Taliban – sie sind Dinge, sie werden toleriert, aber
dem Leben ferngehalten."
Besonders Frauen haben die
Zeit unter der Nordallianz Mitte der 90er in schrecklicher Erinnerung. Die
Truppen des usbekischen Generals Dostum, der jetzt Masar-I-Sharif für die
Nordallianz erobert hat, haben während der letzten Besetzung der Stadt
massenhaft Frauen und Kinder vergewaltigt.
Zu der Afghanistan-Konferenz in Bonn sind keine Frauenvertreterinnen
eingeladen. Den Kriegstreibern im Westen geht es nicht um Frauenrechte. Sie
benutzen das Leiden der Frauen nur als Vorwand, um ihre Soldaten
stationieren zu können.
Befreiung
Der Westen feiert, dass zwei
Drittel Afghanistans an die Nordallianz gefallen sind, dass Afghanistan von
den Taliban "befreit" ist.
Sie feiern eine blutige Herrschaft. "Die Einheimischen beobachten die
Entwicklung mit Angst und Resignation," berichtet Jason Burke aus
Jalalabad.
"Wir werden sie im Stadion von Kabul hängen,"
drohte der Nordallianz-General Daud seinen Gegner an.
US-Verteidigungsminister Rumsfeld unterstützt die Hetzjagd:
"Die Vereinigten Staaten sind weder geneigt, über Übergaben
zu verhandeln noch sind wir in der Lage, mit einer relativ kleinen Zahl von
Bodentruppen Gefangen zu machen."
Laut dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) tötete die
Nordallianz nach der Eroberung Masar-I-Sharifs Anfang November 520 junge
Männer, indem sie eine Schule mit Panzern platt walzte.
Das IKRK meldete auch, die Hälfte der Toten auf dem Schlachtfeld vor Kabul
sei hingerichtet worden. Die UN-Menschenrechtskommissarin Mary Robinson
erklärte: "Aus Kabul und anderswo bekomme ich
Berichte von standrechtlichen Exekutionen von Gefangenen, die ihre Waffen
niedergelegt haben."
Hilfe für die Menschen
Die Menschen in Afghanistan
hatten es schwer. So stirbt dort alle 30 Minuten eine Frau bei der Geburt
eines Kindes.
Aber der Krieg macht das Leben nicht leichter. US-Bomben trafen ein
Krankenhaus, die Infrastruktur, schon vorher in schlechtem Zustand, ist kaum
noch zu gebrauchen.
Streubomben, von denen über zehn Prozent Blindgänger sind und langfristig
wie Minen wirken, treffen hauptsächlich die Menschen, die die USA zu
schützen vorgeben.
Die so genannte "Daisy Cutter", die die USA eingesetzt hat, ist die stärkste
konventionelle Waffe der Welt. Sie strömt im Fall Gas aus, das bei der
Zündung verbrennt.
Im Umkreis von Hunderten von Metern verbrennt aller Sauerstoff, alle
Menschen ersticken. Erst produziert die Explosion eine Schockwelle, dann
zieht der Unterdruck nach der Verbrennung alles wieder zusammen – der
typische "Pilz" entsteht.
Diese Bombe mit der Größe eines Kleinwagens tötet alles Leben im Umkreis von
500 bis 1.000 Metern.
Der Regionalkoordinator des Kinderhilfswerks Terre des Hommes für
Afghanistan, Reinhard Fichtl, bestätigte am 19. November, dass sich seit dem
Beginn des US-Bombardements 1,5 bis 2 Millionen zusätzliche Menschen auf der
Flucht befinden.
Frieden
Der Sieg der Nordallianz
wird als Schritt in Richtung Frieden verkauft. Die Nordallianz aus Usbeken
und Tadschiken ist aber in sich zerstritten.
Außerdem konkurriert sie mit anderen ethnischen Gruppen um die Macht in
Afghanistan und Unterstützung aus dem Ausland. Während Russland und der Iran
den Ex-Präsidenten Rabbani unterstützen, versucht Pakistan, ein
Vorherrschaft der Nordallianz zu verhindern. Diktator Musharraf fördert
oppositionelle Paschtunen aus dem Süden.
Humanitäre Hilfe
Fischer behauptete, nur
weitere Bomben könnten den Weg für die humanitäre Hilfe frei machen.
Aber noch immer, trotz des Rückzugs der Taliban, hat die UNO keinen Zugang
zu Mazar-I-Sharif, der ersten Stadt,. die die Nordallianz erobert hat. Das
Büro der Vereinten Nationen dort wurde geplündert und verfügt über kein
einziges Fahrzeug mehr.
Die Welthungerhilfe berichtete am 22. November, die Kriegsherren der
Nordallianz hätten nach der Eroberung von Jalalabad die Einrichtungen aller
Hilfsorganisationen geplündert.
Durch die Bomben seien die Hilfslieferungen zwei Monate in Verzug, berichtet
die UNO. Dieser Rückstand ist nicht mehr aufzuholen, selbst wenn die
Hilfslieferungen das Vorkriegsniveau erreichen.
Selbst das ist fraglich, denn die UNO bewertet die Landwege außerhalb Kabuls
als "nicht mehr sicher".
Linksruck