13. Juli 2002
Sicherheitsrat beschließt Straffreiheit für US-Kriegsverbrecher
Mit Erpressung wegen der sog. Friedensmission in Bosnien erreichte der
Vertreter der USA im UNO-Sicherheitsrat am 13. 7. 2002, daß die USA eine
zunächst auf zwölf Monate befristete Immunität vor dem Internationalen
Strafgerichtshof in Den Haag erhielt. Diese Immunität soll alljährlich
verlängert werden. Der amerikanische Uno-Gesandte John Negroponte begrüßte die
Einigung. Gleichzeitig kündigte er jedoch an, sein Land werde sich mit Hilfe
von bilateralen Abkommen um einen weiteren Schutz seiner Soldaten bemühen. Jeder
Versuch des Gerichts, einen Amerikaner anzuklagen, werde ernsthafte
Konsequenzen haben.
Damit können Kriegsverbrechen, wie z. B. die Ermordung mißliebiger Politiker und
Staatsmänner oder vormaliger CIA-Agenten, die völlkerrechtswidrige Bombardierung
von souveränen Staaten, wie zuletzt am 13. 7. 2002 im Irak und ähnliche
Straftaten durch US-Militärs und Agenten weiterhin straflos begangen werden.
Mit dem gleichen Beschluß wurde Immunität auch Israel, Rußland und China
gewährt. Das ist verständlich, denn Israel ist es gewohnt, mißliebige
Palästinenser ohne jedes Gerichtsverfahren mit Mordkommandos liquidieren zu
lassen und die Palästinenser, falls sie überleben, weiter zu entrechten und zu
vertreiben. Rußland wieder muß in Tschetschenien mit brutalsten Methoden gegen
die Bevölkerung vorgehen um den Kolonialstatus in dieser Region aufrecht zu
erhalten und die dortigen Erdölfelder zu sichern. China hat wieder das Volk von
Tibet und die in Westchina ansässigen moslemischen Völker mit allen Mitteln zu
unterdrücken und deren Selbstbestimmungsrecht zu verhindern.
Dagegen soll weiterhin die Siegerjustiz der USA - wie z. B. beim
NATO-Gerichtshof in Den Haag - uneingeschränkt ausgeübt werden.
Der kanadische UNO-Botschafter Paul Heinbecker sagte, der Kompromiß schade dem
neuen Gerichtshof. "Wir denken, dies ist ein trauriger Tag für die Vereinten
Nationen", erklärte er. Die Resolutionen sei von vielen Länder nicht
unterstützt worden. Vor allem Mexiko hatte sich bis zuletzt gegen die erreichte
Einigung gewehrt, hatte dann aber doch noch eingelenkt, um die internationalen
UNO-Friedensmissionen nicht zu gefährden. Der mexikanische UNO-Botschafter,
Adolfo Aguilar Zinser, verließ aus Protest den Sicherheitsrat und überließ es
seinem Stellvertreter, Mexikos Ja-Stimme für die Resolution abzugeben. "Die
Grundstimmung in der internationalen Gemeinde ist, daß dies verkehrt ist", sagte
er.
Die Kritiker fürchten, daß die pauschale Immunitäts-Regelung die Glaubwürdigkeit
des Strafgerichtshofs von Beginn an beschädigt. Unter Berufung auf den
Sicherheitsrat könnten Kriegsverbrecher und sie schützende Regierungen künftig
ebenfalls Aufschub und Immunität fordern.