Insider nimmt Kriegslügen auseinander
Ein ehemaliger UN-Waffeninspekteur zeigt in einem neuen Buch, dass nicht Hussein, sondern Bush eine Gefahr für den Weltfrieden ist.
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William Rivers Pitt / Scott Ritter: Krieg gegen den Irak. Was die Bush-Regierung verschweigt, Kiepenheuer & Witsch, 2002, 106 Seiten, 6,90 Euro. |
„Der Irak wurde
seit 1991 weitgehend entwaffnet“, erzählt Scott Ritter, Mitglied der
US-Republikaner und früher enger Parteifreund von US-Präsident Bush, in „Krieg
gegen den Irak“. „90 bis 95 Prozent der irakischen Massenvernichtungswaffen
wurden nachweislich zerstört.“ Das schließt auch die Waffenfabriken und die
Langstreckenraketen ein.
Scott Ritter war von 1991 bis 98 UN-Waffeninspekteur im Irak und hat daran
mitgewirkt, die dortigen Waffen zu zerstören.
Ritter bestätigt, dass die Technik, die Irak für Atomwaffen bräuchte, kaputt
ist. „Wenn der amerikanische Vizepräsident jetzt sagt, der Irak könne innerhalb
von zwei Jahren eine Atombombe bauen, ist das blanker Unsinn.“
Unter anderem wird Irak beschuldigt, 20.000 Sprengköpfe mit den Giftgasen Sarin
und Tabun zu besitzen. „Sarin und Tabun haben bei der Lagerung eine Lebensdauer
von fünf Jahren“, erklärt Ritter. „Selbst wenn der Irak es irgendwie geschafft
hätte, diese ungeheuren Mengen an Kampfstoffen vor den Inspekteuren geheim zu
halten, enthielten ihre Depots heute nur noch eine unbrauchbare und harmlose
Schmiere.“
Absurd ist für Ritter der Vorwurf, Irak hätte enge Verbindungen zu Osama bin
Laden. „Saddam ist ein säkularer (nicht religiöser, die Redaktion) Diktator. Er
hat in den vergangenen Jahren den islamischen Fundamentalismus bekämpft und
zerschlagen.“
Die US-Regierung manipulierte die UN-Inspektionen: Einmal suchte ein
Inspekteurs-Team unter Führung des US-Offiziers Spertzel nach biologischen
Waffen, fand jedoch nichts.
Spertzel verweigerte genauere Tests. „Die Iraker haben ihn wiederholt gebeten,
mit effizienten Messinstrumenten Tests zu biologischen Waffen durchzuführen. Er
blieb dabei, er wolle keine Untersuchungen durchführen, die ein negatives
Ergebnis brächten und damit den Irak in seiner Behauptung bestätigten, solche
Waffen gar nicht zu besitzen.“
Die USA benutzten mit Hilfe des Chefs der UN-Waffeninspekteure Richard Butler
die Inspektionen zur Spionage. Die Iraker waren verärgert „Sie hatten das
Gefühl, die Inspekteure würden in unzulässiger Weise in Bereiche eindringen, die
die Souveränität, die Würde und die nationale Sicherheit des Irak verletzten.“
Ritter zeigt, wie die US-Vertreter 1998 den Abbruch der Inspektionen
provozierten. Bei der Durchsuchung des Hauptquartiers der Baath-Partei forderten
sie entgegen der Abmachung den Zutritt des gesamten Inspektionsteams. „Die
Iraker ließen sich auf einen Kompromiss ein und gewährten einem sechsköpfigen
Team zutritt. Es fand nichts. Daraufhin forderte der Leiter des Teams auf
Anordnung Richard Butlers den Zutritt eines größeren Teams. Die Iraker
antworteten, sie würden nur ein Team entsprechend der vereinbarten Modalitäten
zulassen. Daraufhin zogen sich die Inspekteure zurück und erstatteten Richard
Butler Bericht. Dieser wiederum führte den Vorfall als Beispiel für die
eklatante Missachtung des Mandats des UN-Sicherheitsrates an.“
Zwei Tage später bombardierte die US-Regierung Irak. Sie benutzte Butlers
Bericht an den Sicherheitsrat als Rechtfertigung.
Jetzt gefährdet die Bush-Regierung mit dem geplanten Angriffskrieg gegen Irak
den Weltfrieden. „Wir sprechen über eine ungeheure Zahl von Toten unter der
Zivilbevölkerung, ganz zu schweigen von Zehntausenden irakischer Soldaten und
Sicherheitsleute die umkommen werden. Dieser Krieg wird nicht gut enden.“
„Krieg gegen den Irak“ deckt kurz und knapp die Lügen der Kriegstreiber auf. Das
Buch zeigt, dass es der US-Regierung nur darum geht, Irak zu kontrollieren.
Von Yaak Pabst
Linksruck Nr. 140, 22. Oktober 2002
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